Auch wenn es manchem nicht in dieser Form gewärtig sein mag, so verfügt das oft wenig, manchmal sogar etwas abschätzig beachtete Bundesland Sachsen-Anhalt doch über eine ausgesprochen hohe Dichte an, in ihrer historischen Bedeutung auf und über das gesamte Bundesgebiet hinaus abstrahlenden Stätten.
Gleich mehrere davon befinden sich im Harz, so etwa in Quedlinburg, wo über der Stadt in der Krypta der hochromanischen Schlosskirche / Basilika St. Servati mit Heinrich I. eine Person in der ersten Hälfte des 10. Jh. ihre letzte Ruhestätte fand, die gemeinhin als „erster deutscher König“ angesehen wird; zumindest aber als einer der Herrscher gilt, die in der Ausbildung dessen, was man später als deutsches Kaiserreich oder Deutschland nennen würde, eine bedeutende Rolle spielte.
Vor der teilweise noch winterlichen Kulisse dieser Anlage fand – wenn auch nicht unbedingt so bedeutsam wie König Heinrich - am 07.02.2026 die diesjährige Landesmeisterschaft des Karateverbandes Sachsen-Anhalt e. V. statt.
Damit kehrte der Landesverband nicht nur zum gleichsam traditionellen Austragungsmodus am Beginn des Jahres eines jeden Jahres zurück.
Vielmehr hatte mit dem Karate-Do Quedlinburg e. V. ein Mitglied im Karateverband Sachsen den Wettkampf ausgerichtet, der den damit verbundenen organisatorischen Aufwand schon längere Zeit nicht mehr auf sich genommen hatte.
Ungeachtet dessen konnte man als vollkommen unbedarfter Teilnehmer einen dahingehenden Eindruck nicht im Geringsten gewinnen. Eher glaubten man, dass das Ausrichten einer solchen Veranstaltung für den Ausrichter gleichsam ein Tagesgeschäft wäre, welches er gleichsam routinehaft bewältige.
Alles in und um den Austragungsort, die Bodelandhalle – von der Einweisung der Teilnehmer, Betreuer, Kampfrichter und Zuschauer über die Aufteilung und Ausgestaltung der Wettkampfflächen, die Tischbesatzungen bis hin zur Verpflegung etc. - war sehr gut durchorganisiert, sodass nicht nur ein zügiger Wettkampfbetrieb erfolgen, sondern sich alle auch wohlfühlen konnten – und somit neben den Wettkämpfen selbst ein reger Erfahrungsaustausch auch zwischen Trainern und Betreuern stattfinden konnte.
So konnten, nachdem Präsident Alexander Löwe nach der Eröffnung Karatekas, die im letzten Jahr erfolgreiche Wettkampfleistungen gezeigt hatten sowie den ausrichtenden Verein Karate-Do Quedlinburg e. V. mit Ehrenurkunden und Dankesworten gewürdigt hatte gut 150 Starter unter den Augen des Kampfrichterteams in ihre Wettkämpfe einsteigen.
Wie schon im Vorjahr stellte die Disziplin Kata stellte das breitestes bzw. zahlreichste Teilnehmerfeld.
Dabei konnte im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung des Niveaus konstatiert werden, auch wenn sich, insbesondere im Nachwuchsbereich leider immer noch nicht die Erkenntnis durchgesetzt zu haben schien, dass die dargebotenen Katas dem physischen und psychischen Leistungsniveau des sie vortragenden Wettkämpfers entsprechen müssen. Bei manchen Teilnehmern war ersichtlich, dass weder das Wissen darum vorhanden war, was sie eigentlich zu zeigen beabsichtigten, geschweige denn die dafür notwendige Physis.
Hier ist seitens der der Trainer und Betreuer auch im Sinne der Wettkämpfer ein Umdenken gefordert – nicht zuletzt auch, um Enttäuschungen bei den Wettkämpfern zu vermeiden.
Eindeutig war auch, dass nicht immer eine „sport-wettkampforientierte Leistung“ einen Erfolg bringt – vielmehr wichtig ist, dass die Athleten mit ihren Darbietungen an sich überzeugen. Ein perfekter Standard reichte oft nicht, um gegen einem leidenschaftlich-kämpferischen Vortrag bestehen zu können.
Im Kumite war die Teilnehmerzahl etwas übersichtlicher und die Kämpfe auf einem guten Niveau.
Zwiespältig konnte man dabei das Bild der Masse der jüngeren Teilnehmer bewerten, die angesichts neueren WKFG-Regelwerkes mit Vollschutzausrüstung inkl. Helm zu kämpfen hatten:
Einerseits ähnelten diese oft den „Stormtroopern“ legendärer Kinofilme, sodass man darüber lächeln konnte. Andererseits war die Grenze zur Überforderung gerade der jungen Athleten mit dem gesamten Schutzequipement nahezu greifbar.
Es ist zweifelhaft, ob die dahingehenden Wettkampfregeln wirklich den Effekt gerieren, zu dem sie eingeführt wurden oder ob eher das Gegenteil – Kontrollverlust, Überforderung und Absinken der Wettkampfqualität – der Fall sein wird.
Wer sich zudem an die Zeiten von vor gut 20-30 Jahren zurückerinnern kann, wird bestätigen, dass damals Karatekas über die Schutzausrüstungen anderer Stile, wie etwa des Tae-kwon-do mit der Bemerkung die Köpfe schüttelten und Nasen rümpften, dass „…das doch kein realistisches oder kein Kämpfen im Sinne einer Kampfkunst sei…“.
Insofern bliebt die weitere Entwicklung abzuwarten.
Ein Dank gilt letztlich noch einmal dem ausrichtenden Verein Karate-Do Quedlinburg e. V. um Jens-Uwe Dreiling und Jörg König für die Rundumbetreuung der Sportler, Betreuer und Kampfrichter.
Text: Pressereferent KVSA
Bilder: D. Dreiling / Pressereferent KVSA

