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Außergewöhnliche Erfolge und Ehrungen für Repräsentanten des Ryûkyû Kobudô Tesshinkan aus Deutschland

Ein Bericht vom 2. Okinawa Karate World Tournament 2022 / 1. Okinawa Karate World Junior Tournament vom 1. - 9. August 2022 in Naha/Okinawa/Japan

Mitte des Jahres 2022 stand für die Anhänger des Ryûkyû Kobudô Tesshinkan mit dem „2. Okinawa Karate World Tournament 2022“ bzw. „1. Okinawa Karate World Junior Tournament“ in Naha auf Okinawa / Japan ein bedeutendes Ereignis an.

Dieses World Tournament, veranstaltet durch die Präfektur Okinawa, fand anlässlich des 50. Jahrestages der Rückgabe Okinawas durch die USA an Japan nach dem zweiten Weltkrieg statt, welche im Jahre 1972 erfolgt war. 

Angesichts dessen wollten sich auch Repräsentanten dieser Stilrichtung in Deutschland, welche den „Ryûkyû Kobudô Tesshinkan - Europa“ (www.kobudo-tesshinkan.eu) bei dieser Weltmeisterschaft als Starter im Kobudô vertreten wollten, auf den Weg machen, um an diesem Ereignis teilzunehmen.

Unter ihnen war auch Sebastian Edelmann aus dem Karateverband Sachsen-Anhalt e. V. .

Anders als bei vergleichbaren Ereignissen etwa im europäischen Raum, ist ein solches Unterfangen – Einladung, Anreise, Aufenthalt und schließlich die Teilnahme an sich – mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden.

So war es denn auch hier:

Der Organisationsaufwand für die Reise an den Ursprungsort der dahingehenden Kampfkunst auf Okinawa stellte alles, was die Teilnehmer in den letzten 20 Jahren erlebt hatten, in den Schatten.

Die Reisevorbereitungen, inklusive Anmeldung und Registrierung der Starter und Trainer mussten langfristig beginnen, mithin startet man damit schon Oktober 2021, also kurz vor dem zweiten Corona-Lockdown.

Bestand zu diesem Zeitpunkt die Gruppe der potentiellen Teilnehmer noch aus zehn Reisewilligen aus ganz Deutschland, mussten diese jedoch in der Folgezeit einige Aufwendungen und Unwillen über sich ergehen lassen, die über das bis dato Gewohnte hinausging und die Nervenkostüme teilweise erheblich strapazierten:

Anfang November 2021 wurden zwar die Flüge nach Japan und die Unterkünfte in Naha / Okinawa gebucht und alles schien noch wie gewohnt zu funktionieren.

Dann folgte aber bisher Ungewohntes:

Da Japan aufgrund der Coronapandemie die Visafreiheit auch für Einreisenden aus Deutschland – bis hin zu einem kurzzeitigen Einreiseverbot - aufgehoben hatte, mussten die Visa für die Einreise umständlich beschafft werden. Neben einer Registrierung beim japanischen Gesundheitsministerium, bei dem noch das Organisationskomitees des World Tournament behilflich sein konnte, musste schließlich jeder Teilnehmer persönlich bei der japanischen Botschaft vorstellig werden, um sein Visum in den Pass einkleben zu lassen.

Darauf folgten organisationsbedingte Unfähigkeiten der Fluggesellschaften, die letztlich zu Überlastungen und Überbuchungen führten, sodass die Flüge einiger Teilnehmer kurzfristig, will heißen bis zu zwei Wochen vor Reisebeginn storniert wurden.

Der dadurch bedingte, extreme Stress sowie - nicht zuletzt auch dadurch bedingte - Probleme persönlicher, gesundheitlicher bzw. coronabedingter Natur bei den Teilnehmern, führten letztlich dazu, dass am Ende nur noch vier der ursprünglich zehn Teilnehmer die Reise antreten konnten:

Frank Pelny, Heike Prophet (Nordhausen), Sebastian Edelmann (Leipzig) und Stefanie Dahlke (Erfurt).

Diese meisterten dann auch noch die letzte „Prüfung“ in Gestalt einer – ursachs Streik von Flugpersonalen, Änderungen der Flugroute, Corona-Test-Auflagen u. a. - von elf auf vierzehn Stunden verlängerten Flugzeit nach Japan.

Insofern hätten die Teilnehmer sich nach ihrer Ankunft auf Okinawa wohl schon deswegen eine Anerkennung verdient gehabt.

Das Ganze schien fast so, als ob ein ursprünglich zahlreicher Kämpfer messende Armee nach einem „langen Marsch“ nur noch auf wenige Aufrechte zusammengeschrumpft auf dem Schlachtfeld eintraf.

Wer, am Ort des Begehrens angelangt, dort allerdings einen schönen Urlaub und Erholung erwartet hatte, wurde recht schnell von der Realität eingeholt:

Noch am Tag der Ankunft bat der Lehrmeister, Tamayose Hidemi (10. Dan, Präsident des Ryûkyû Kobudô Tesshinkan Kyôkai und Vizepräsident des Okinawa Ken Kobudô Renmei) um ein erstes Gespräch, welches mehr als zwei Stunden in Anspruch nahm. 

Am Morgen des zweiten Tages begann das erste Training bereits um 7:30 Uhr am Strand. Und da die Termini „Ausschlafen im Urlaub“ und „Jetlag“ ja Legenden sein sollen, führte Tamayose Kaichô am Ende des Trainings auch gleich noch Graduierungsprüfungen durch – auch, damit die Teilnehmer den Kopf für das World Tournament frei haben sollten.

Sind Prüfungen in der Regel schon kein Zuckerschlecken, so wurden diese hier durch schwüle 32 Grad und den Sand des Strandes, statt glattem Sporthallenboden, noch erschwert.

Ungeachtet dessen konnten Frank Pelny und Sebastian Edelmann am Ende erschöpft, aber glücklich jeweils den 6. Dan im Ryûkyû Kobudô bestehen und erhielten dazu jeweils den Ehrentitel eines „Renshi“ – sinngemäß für „Wissender / Gelehrter  / Experte“ - verliehen. Dies war das erste Mal im Tesshinkan-Verband, dass solch hohe Dan-Grade an Ausländer vergeben wurden.

Nach zwei weiteren Tagen mit morgendlichen Strandtraining begannen am Donnerstag, dem 04.08.2022 die Vorausscheidungsrunden zum World Tournament.

An diesem nahmen 1.700 Teilnehmer aus 24 Nationen teil – aus Deutschland hatten es nur die vier Starter geschafft (die 3 bereits erwähnten und Thomas Podzelny aus Erlangen), sich dafür zu qualifizieren.

Am Ende der Vorrundenentscheidungen (2 Runden) stand Frank Pelny in der Kategorie Bô (Langstock) Senioren auf Platz eins, ebenso wie Stefanie Dahlke in der Kategorie Sai Adult II. Sebastian Edelmann schaffte es im größten Pool von Kobudo-Startern auf Platz drei in der Kategorie Sai Adult II. Damit waren alle deutschen Starter des Ryûkyû Kobudô Tesshinkan für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft qualifiziert und durften sich weiterhin mit den besten Ihrer Zunft messen.

Am folgenden Wochenende des 6. und 7. August 2022 fanden die Qualifikationen der besten 16 bzw. 8 Starter und darauf die Semi- bzw. eigentlichen Finale statt.

Zu den Qualifizierten aus dem Ausland und den japanischen Hauptinseln aus den Vorrunden vom Donnerstag und Freitag kamen nun noch jeweils vier Starter aus Okinawa, welche ihre Vorrunden bereits im Mai absolviert hatten und somit für die Semifinale (jeweils die besten 4 Okinawaner) gesetzt waren.

Für die qualifizierten deutschen Teilnehmer Frank Pelny, Stefanie Dahlke und Sebastian Edelmann bedeutete dies, dass die meisten ihrer Gegner aus Japan bzw. Okinawa kamen.

Wenn man nun hätte meinen können, dass das Ergebnis der dahingehenden Vergleiche insoweit vorprogrammiert sein würde, als dass die Teilnehmer aus dem Mutterland der dahingehenden Kampfkunst zwangsläufig die Nase vorn haben würden, sah man sich getäuscht.

Denn die deutschen Repräsentanten des Tesshinkan schlugen sich mehr als wacker, wiesen ihre Gegner größtenteils in die berühmten Schranken.

Im Ergebnis dessen konnten die drei Starter des Tesshinkan aus Deutschland drei der speziellen Medaillen aus Okinawa erkämpfen:

Stefanie Dahlke (Chikara Club Erfurt) - Weltmeistertitel Sai adult II female

Sebastian Edelmann (Leipzig bzw. KVSA) - 3. Platz Sai adult II male

Frank Pelny (KDK Nordhausen) - 3. Platz Bô senior male

Dieses Ergebnis ist nicht nur vor dem Hintergrund beachtlich, dass die Platzierungen an europäische Teilnehmer gingen, sondern auch deshalb, da die betreffende Stilrichtung in Europa bzw. in Deutschland bisher nur ein gewisses Nischendasein fristet.

Am Montag nach dem Tournament bestand die Option, an verschiedenen – von insgesamt 450 Teilnehmern besuchten - Seminaren mit Lehrmeistern aus Okinawa teilzunehmen. Diese außergewöhnliche Möglichkeit, direkt an der Quelle zu lernen, ließen sich auch die Starter aus Deutschland nicht entgehen und wurden mit interessanten Einblicken belohnt. 

Bevor im Verlauf der weiteren Woche die Heimreise angetreten wurde, stand am Dienstagmorgen nochmals eine Trainingseinheit auf dem Programm, die, wie nun schon fast gewohnt, wiederum am Strand stattfand.

Da das Wetter auch an diesem Tage – wie die meiste Zeit des Aufenthaltes - außergewöhnlich regnerisch war, und die Trainingsteilnehmer von einem Regenguss überrascht wurden, wurde das Training kurzerhand unter einer Autobrücke fortgeführt – frei nach dem Leitgedanken okinawaischer Meister, dass „Ein Karateka darf sich nennen, wer jeden Tag Karate trainiert.“.

Im Hinblick auf Letzteres, aber auch in Anbetracht seines Einsatzes für die Stilrichtung in den vergangenen 20 Jahren, erfuhr Sebastian Edelmann nochmals eine besondere Ehrung:

Er wurde von Kaicho Tamayose mit dem Titel eines Shihan-Menkyo – dem Titel als exzellenter, ausgewiesener Lehrmeister – ausgezeichnet.

Diesen tragen nunmehr in Europa erst zwei Personen: Frank Pelny und Sebastian Edelmann.

Schlussendlich konnten die Teilnehmer bei ihrer Abreise konstatieren, nicht nur unter den Aspekten der errungenen Ergebnisse sowie erfahrenen Ehrungen eine außergewöhnliche Reise unter außergewöhnlichen Bedingungen mit außergewöhnlichen Ergebnissen und Erlebnissen erfahren zu haben, die ihnen in jeglicher Hinsicht lebenslang im Gedächtnis bleiben wird. 

Bericht und Bilder: S. Edelmann

Redaktion: Pressereferent KVSA

GRUSSWORT

Alexander Löwe - Präsident KVSA e.V.

Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt. Die Faszination dieser fernöstlichen Kampfkunst lässt sich nicht beschreiben, sondern nur erleben. Haben Sie Lust mehr zu erfahren oder suchen einen Verein, in dem Sie Karate erlernen können? Auf dieser Website stellen wir Ihnen alle Informationen rund um die Aktivitäten des Landesfachverbandes für Karate vor. Die Ressorts vom Breiten- bis zum Wettkampfsport, alle Ansprechpartner und auch Hintergrundinformationen haben wir zusammen gestellt.

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und freue mich, wenn Sie viele Anregungen finden – für einen Sport, der Sie begeistert.

Ihr Alexander Löwe

 

 

Karate als Gesundheitssport

Qualitätssiegel des DOSB

Karate eignet sich ausgezeichnet als Gesundheitssport, So tragen zahlreiche Vereine des Landesverbandes das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT, die höchste Auszeichnung für Vereine im DOSB in Sachen Gesundheitssport überhaupt. Das bundesweit anerkannte Qualitätssiegel basiert auf Qualitätskriterien der Bundesärztekammer und des Deutschen Olympischen Sportbundes. Auch die zugeordneten Angebote der Konzeption „Budomotion" sind Bestandteil mit hochwertigen Bewegungsangeboten. 

Zahlreiche Vereine im KVSA bieten Training im Bereich Karate als Gesundheitsvorsorge an. 

GEWALTSCHUTZ

Effektive Selbstverteidigung und Gewaltprävention

Der Schutz vor tätlichen Übergriffen oder die Vermeidung von solchen, zum Beispiel durch Deeskalation, wird in vielen Bereichen der Gesellschaft immer wichtiger: Ob in der Freizeit, am Arbeitspaltz oder in der Schule - jeder kann Opfer von Aggressionen werden.

Der Karateverband Sachsen-Anhalt e. V. vermittelt über lizensierte Gewaltschutztrainer die Möglichkeit, in Ihrem Verein, Ihrem Betrieb oder auch in Ihrer Schule Projekte oder Lehrgänge mit dem Ziel durchzuführen, schnell und effektiv Strategien zu entwickeln, um sich solcher Situationen erwehren zu können.

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Ankündigungen

15.10.22 KVSA - Tag
22.10.22 - 30.10.22 KVSA-Trainerausbildung 2022
Ort: voraussichtlich Staßfurt
22.10.22 Kyusho-Jitsu-Lehrgang mit Manfred Zink
Ort: Wernigerode

22.10.22 Kyusho-Jitsu-Lehrgang mit Manfred Zink
Ort: Wernigerode

18.11.22 - 20.11.22 Stiloffener AKS - Lehrgang mit Kyu-Prüfungen im AKS und Wado-Ryu
Ort: Zerbst

10.12.22 Lehrgang mit Olav Büttner und Holger Probst
Ort: Klötze

28.01.23 Lehrgang mit Frank Hörner, 7. DAN Karate und Maik Bäcker, 5.Dan Karate sowie Dan-Prüfung (SOK)
Ort: Klötze

03.06.23 - 04.06.23 Landesjugendspiele unter beteiligunmg des KVSA
Ort: Magdebrurg